Die DGNB zertifizierte auch den Neubau, für dessen Betrieb ausschliesslich erneuerbare Energieträger zum Einsatz kommen. Den nötigen Strom liefern 518 Solarmodule, die über alle Gebäudeseiten und das Dach verteilt sind. Dies mag zunächst irritieren, schliesslich werden Photovoltaik-Elemente bevorzugt nach Süden, Osten und Westen ausgerichtet. Die allseitige Anordnung sichert jedoch eine gleichmässige Energieausbeute im Tagesverlauf. Die Anlage kann rund 85'000 Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren – 85 Prozent davon werden selbst genutzt, der Überschuss wird ins öffentliche Netz eingespeist.
Baurechtlich war die Solarfassade eine Herausforderung: Solarmodule werden von den Behörden und Gebäudeversicherungen wegen der verbauten Kunststoffe, Folien und Kabel als brennbar eingestuft – obwohl ihre Hauptbestandteile Glas und Silizium nicht brennen. In Grüsch kam erschwerend hinzu, dass die Mühle zwischen dem Taschinasbach und den Bahngleisen eingekeilt ist: Die Feuerwehr kann nur über eine schmale Zufahrtsstrasse anrücken, was den Einsatz grosser Löschfahrzeuge einschränkt. Um trotzdem eine Genehmigung für die Fassade zu erhalten, arbeiteten Brandschutzexperten, Architekten, Bauherrschaft und Swisspearl als Hersteller eng zusammen. Anders als im Bauwesen üblich, trugen die Planenden Verantwortung und Risiken gemeinsam.
Zum Einsatz kamen Sunskin Facade Flat Module, also geprüfte Standardprodukte. Sie wurden zu unterschiedlich breiten vertikalen Streifen angeordnet. Diese Lösung ist clever: Weil die Photovoltaikfläche jeweils vom Boden bis zum Dach durchläuft und nirgends durch Fenster unterbrochen wird, kann sich ein Feuer nicht von Stockwerk zu Stockwerk nach oben fressen. Bei einem Brand innerhalb des Wohnhochhauses gelangt das Feuer nicht von innen an die Solarfassade. Die dicken Betonmauern wirken als Brandwände. Umgekehrt können die Flammen von den Solarmodulen nicht auf das Gebäudeinnere übergreifen. Die Sicherheit dieser Sonderkonstruktion wurde rechnerisch und durch Brandschutz-Versuche nachgewiesen.